Türken in Deutschland

Unser erstes Thema der Woche war das "Opferfest", das als größtes Fest der Islamischen Welt gilt. Als nächstes präsentieren wir Ihnen die Ergebnisse unserer Forschung, die wir über die "Türken in Deutschland" herausgefunden haben.

Vor etwa 40 Jahren kamen die ersten Türken als "Gastarbeiter" nach Deutschland, als die Republik Türkei im Jahre 1961 mit der Bundesrepublik Deutschland ein Anwerbeabkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte schloss. Damals brauchte man viele Arbeitskräfte für den wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands. Daher wurden sie gut und gerne aufgenommen, obwohl sie Sprach- und Integrationsprobleme hatten.

Somit konnte die Türkei mit diesem Abkommen ihr Außenhandelsdefizit (Heimatüberweisungen zur Verbesserung der Zahlungsbilanz) reduzieren und zum anderen sollten die sozialen und ökonomischen Probleme in der Türkei abgemildert werden

Zunächst war nicht daran gedacht, dass die als „Gastarbeiter" bezeichneten Arbeitskräfte dauerhaft in Deutschland bleiben sollten. Im Laufe der folgenden Jahre zogen Frauen und Kinder nach. Inzwischen gibt es Urenkel der ersten Migrantengeneration.

Der größte Teil der in Deutschland lebenden Türken kam um 1970 nach Deutschland. Viele hatten die Absicht in Deutschland Geld zu verdienen und zu sparen, um später wieder in die Türkei zurückzukehren und sich dort eine Existenz aufzubauen.

1973 lebten ca. 900 000 Türken in Deutschland, 1990 waren es 1 675 000. Das die Zahl so stark anstieg, liegt daran, dass viele Ehefrauen und andere Familienmitglieder nachgereist kamen und viele Kinder geboren wurden.

Heutzutage umfasst allein die Gruppe der türkischstämmigen Deutschen und Türken über vier Millionen Menschen. So sind die in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft nicht nur besonders konsumfreudig und legen sehr viel Wert auf Markenprodukte und Statussymbole. Sie verdienen zudem sehr gut und geben über einen großen Teil ihres Einkommens in Deutschland aus.

Infolge des im Jahre 1999 verabschiedeten neuen deutschen Staatsangehörigkeitsrechts wächst die Zahl deutscher Staatsbürger türkischer Herkunft rasch weiter an. Ende 1998 waren es gerade 250.000 – vier Jahre später hat sich die Zahl auf fast 600.000 mehr als verdoppelt. Maßgeblich für die erfolgreiche Integration der türkischen Wohnbevölkerung in Deutschland ist die feste Zusammenarbeit mit türkischen Organisationen.

Die Bevölkerungswachstumsrate der türkischen Mitbürger beträgt 2,1% , die deutsche -0,1 %. Nach der Statistik von 1996 beträgt die Anzahl der türkischen Kinder im Alter von 0 bis 10 etwa 340 000. Mehr als 600.000 Kinder besuchen Schulen. Man kann also innerhalb der türkischen Bevölkerung ein relativ starkes zahlenmäßiges Wachstum feststellen. Ungefähr 25. 000 Studenten besuchen deutsche Universitäten. In Nordrhein-Westfalen sind beispielsweise mehr als 1.000 hauptberufliche Lehrer türkischer Herkunft an den allgemein- und

berufsbildenden Schulen tätig. Zu erwähnen sind außerdem die zahlreichen türkischen Ärzte, Anwälte, Unternehmer sowie die Vertreter der türkischen Selbstorganisationen und Vereine.

Wirtschaftlicher Beitrag

Die türkischen Arbeitnehmer sind in der Beitragszahlung zur Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung den Deutschen gleichgestellt. Nichterwerbstätige Familienangehörige, die Leistungen aus dem sozialen Topf hätten in Anspruch nehmen können, lebten größtenteils in der Türkei. Außerdem stand die erste Generation der Angeworbenen mitten im Berufsleben und hatte noch keinen Rentenanspruch. So zahlten Türken in die deutsche Rentenversicherung und finanzierten über ihre Beiträge soziale Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen usw. Laut einer Untersuchung des Zentrums für Türkeistudien leisteten die lohnabhängig beschäftigten Türken und die Selbständigen 1996 einen Beitrag von 69 Milliarden Mark zum Bruttosozialprodukt. Bei einem Gesamt-BSP von rund 3500 Millionen Mark entspricht das einem von den Türken erwirtschafteten Anteil von 1,97 Prozent. Das jährliche Netto-Gesamteinkommen der 763 000 abhängig beschäftigeten türkischen Arbeitnehmer belief sich 1996 auf 20,7 Milliarden. Im Schnitt verdienten sie in diesem Jahr monatlich netto 2690 Mark. Ein Blick auf die Einkommensverteilung unter den Türken zeigt, dass der Anteil der unteren Einkommensgruppen besonders hoch ist: 16,9 Prozent der türkischen Erwerbstätigen haben ein Nettoeinkommen von weniger als 1000 Mark (gegenüber 7,6 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland). 19,5 Prozent der Türken verdienen netto 3000 bis 4000 Mark und mehr. Die türkischen Arbeitnehmer leisten mit ihren Sozialabgaben auch einen wesentlichen Beitrag für die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland. Insgesamt haben sich die türkischen Arbeitnehmer in den 36 Jahren von 1961 bis 1996 mit der stattlichen Summe von über 33 Milliarden Mark an der deutschen Rentenversicherung beteiligt.

Türken als Selbständige

Das türkische Unternehmertum in Deutschland entstand in den sechziger Jahren, als die Nachfrage nach bestimmten Waren und Dienstleistungen in der türkischen Wohnbevölkerung zu Herausbildung der sogenannten Nischenökonomie führte. Besonders während der ersten Hälfte der achtziger Jahre stieg das Interesse der Türken an einer selbständigen Erwerbstätigkeit sprunghaft an. In den letzten Jahren hat es bei türkischen Unternehmern einen wahren Gründungsboom gegeben. Von 1990 bis 1997 stieg die Zahl der türkischen Unternehmen von 33 000 auf 47 000, das entspricht einer beachtlichen Zuwachsrate von 42,4 Prozent.

Das Spektrum reicht von den vertrauten Lebensmittelläden und Handwerksbetrieben über Buchhandlungen und Verlage bis zu innovativen Betrieben wie der elektronischen Datenverarbeitung und Medienproduktion.

Auffallend bei türkischen Betriebsstrukturen sind vor allem der hohe Anteil an Familienbetrieben ohne zusätzliche "Fremd-Mitarbeiter".

Schlussfolgerung

In den zurückliegenden 38 Jahren ist die türkische Wohnbevölkerung zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden. Obwohl sie aus einem anderen Kulturkreis, einer anderen Religionsgemeinschaft stammt, hat sie die Normen und Regeln der Industriegesellschaft übernommen.

Zwei Drittel der türkischstämmigen Migranten fühlen sich in Deutschland als Türken und in der Türkei als Deutsche. 38 Prozent empfinden beide Länder als ihre Heimat, für 37 Prozent ist eher die Türkei Heimat, Deutschland dagegen nur für jeden Fünften.

Immerhin 42 Prozent der Befragten wollen das Land sogar verlassen und planen eine Rückkehr in die Türkei. Bei den jungen Migranten ist dieser Wunsch sogar ausgeprägter als bei den älteren. Wenn so viele Menschen sich in Deutschland nicht angenommen fühlten, müsse dringend etwas getan werden. Insgesamt 82 Prozent der Befragten sind denn auch der Auffassung, dass die deutsche Gesellschaft stärker auf die Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen sollte.

Die Zahl der Türken in der Bundesrepublik Deutschland steigt gegenwärtig wieder; das liegt an der Heiratsmigration aus der Türkei.

So kommen jährlich zwischen 30 000 und 40 000 Ehefrauen und Ehemänner neu in die Bundesrepublik. Die Türken schlagen Wurzeln in Deutschland. Ein Zeichen dafür ist auch, dass von gegenwärtig 500 000 türkischen Haushalte über 55 000 eine Eigentumswohnung oder ein Eigenheim erworben haben. Zudem haben über 150 000 Türken Bausparverträge abgeschlossen.